Kleines Ayurveda-Kompendium

Im Frühjahr 2003 begleitete und betreute Birgit Heyn eine Lesergruppe der Wochenzeitung DIE ZEIT bei einer Panchakarma-Kur in der Greystones-Villa in Sri Lanka. Ihre Vorträge fasste sie für die Teilnehmer in einem kleinen„Ayurveda- Kompendium“ zusammen. Hier werden die wichtigsten Grundbegriffe des Ayurveda erklärt und praktische Anleitungen für den Alltag gegeben. Viel Spaß bei der Lektüre! © Birgit Heyn

In Wien leitet Birgit Heyn eine Kräuterdrogerie mit dem Schwerpunkt
Heilkräuter und vegetarische Ernährung nach Ayurveda.

Inhaltsverzeichnis:


 

K L E I N E S   A Y U R V E D A - K O M P E N D I U M   ( I )

Grundlagen und philosophischer Hintergrund

Der Ayurveda ist mindestens 3000 Jahre alt und die praktische Weiterentwicklung aus der indischen Samkhya-Philosophie. Sie geht davon aus, dass der gesamte Kosmos aus fünf Grundelementen besteht: Äther, Luft, Feuer, Wasser und Erde. Damit besteht auch der Mensch, seine Nahrung, seine Umgebung, die gesamte Natur aus diesen fünf Elementen, die man auch als Zustandsformen von Energie bezeichnen kann. Aus diesen 5 Elementen bestehen die drei biologischen Kräfte, die Tri-Doshas: Vata, Pitta und Kapha. Diese regeln alle körperlichen und geistigen Abläufe im Menschen. Sie beschreiben natürliche Abläufe, die dem Menschen und der Natur gemeinsam sind.

Vata steht für Bewegung, Pitta steht für Umwandlung und Kapha für die Formgebung. Die Tri-Doshas regen alle biologischen Vorgänge an - von der einfachen Zellaktivität bis zur vernetzten Organisation des gesamten Körpers. Sie sind immer nur gemeinsam wahrzunehmen und treten nie einzeln auf. Ein harmonisch ausgeglichenes Verhältnis dieser drei Kräfte ist ein Merkmal von Wohlbefinden und Gesundheit. Die Konstitution eines jeden Menschen wird geprägt durch die individuelle Mischung dieser drei Kräfte.

Vata besteht vorwiegend aus den Elementen Luft und Raum und setzt alle Bewegungsabläufe in Gang, zum Beispiel den Transport der Nahrung, die Atmung oder den Herzschlag. Vata bringt uns viele Ideen und Gedanken oder lässt uns großzügig sein. Es ist wahrnehmbar in seinen Eigenschaften (Gunas) leicht, trocken, kalt, durchdringend, rauh und beweglich.

Pitta besteht überwiegend aus Feuer. Pitta ist für alle Umwandlungsprozesse im Körper und in der Psyche verantwortlich. Es regelt die Verdauung der Nahrung und die Körpertemperatur und färbt das Blut rot. Pitta wandelt die Sinneseindrücke, die Vata aufgenommen hat, in Erkenntnis um und ist damit für den Intellekt verantwortlich. Pitta gibt uns Mut und Begeisterungsfähigkeit. Es verleiht der Bewegung von Vata die Richtung. Seine Eigenschaften sind heiß, ölig, scharf, riechend und färbend.

Kapha setzt sich vorwiegend aus den Elementen Erde und Wasser zusammen und strukturiert und formt die Materie. Es formt den Körper, verleiht ihm Stabilität, Festigkeit und Flexibilität. Kapha hält Vata und Pitta in ihren natürlichen Grenzen. Kapha überzieht als Schutzschicht unsere Schleimhäute und das Herz. Als Gelenkflüssigkeit schützt es unsere Knochenverbindungen. Kapha gibt uns ein stabiles Immunsystem, Zufriedenheit, Vertrauen und Zärtlichkeit. Seine Eigenschaften sind schwer, kalt, nass, fest, weich und stabil.

>Eine warme, ölige Ayurveda-Massage beruhigt das Vata, reguliert das Pitta und stärkt das Kapha. Die Kunst des Ayurveda ist es, für jeden Menschen die richtige Mischung der Öle und der Kräutermedikamente zu finden um das momentane Ungleichgewicht der Tri- Doshas auszugleichen.

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K L E I N E S   A Y U R V E D A - K O M P E N D I U M   ( II )

Die Pflege der Sinnesorgane im täglichen Leben


Von Birgit Heyn

Die fünf Urelemente Äther, Luft, Feuer, Wasser und Erde, die die ganze Welt symbolisieren, stehen im Zusammenhang mit unseren fünf Sinnen: Hör-, Tast-, Seh-, Geschmacks- und Geruchssinn. Unsere Sinne verbinden die Außenwelt mit unserer Seele. Nach Ayurveda macht der falsche - nicht sinnvolle - Gebrauch der Sinnesorgane krank. Zuviel Lärm und Licht überreizen unsere Sinne, ein geschmack- und gehaltloses Essen und fehlender Körperkontakt lassen unsere Sinne verkümmern.

Zur Pflege der Sinnesorgane hält der Ayurveda einfache Anregungen für die tägliche Körperroutine bereit:

1. Mund: Jeden Morgen vor dem Zähneputzen auf der Zunge mit einem Zungenreiniger (Plastik, Kupfer oder Silber) vom Zungengrund zur Zungenspitze vorsichtig den Belag abziehen. Der Zungenbelag ist eine Ausscheidung über Nacht. Wird diese nicht entfernt, wird sie nochmals hinuntergeschluckt.

Zum Zähneputzen ein Zahnpulverrezept aus dem Ayurveda: Nelke, Pfeffer, Zimt, Neembaumrinde und Kardamom mit Steinsalz fein vermahlen. Eine Prise davon auf der Zahnbürste verwenden.

2. Nase: Die Nasenränder mit den kleinen Fingern mit Sesamöl einölen. Das macht widerständsfähiger gegenüber Infektionen und Reizungen und bei Allergien (Pollenstaub). Am Abend wirkt es beruhigend und hilft beim Einschlafen.

3. Ohren: Den äußeren Gehörgang mit den kleinen Fingern mit Sesamöl massieren. Schützt und stärkt.

4. Augen: Auf die müden, überanstrengten Augen kühle Rosenwasserkompressen auflegen. In Asien wird für diese Anwendung Jasminblütenwasser verwendet. Die Kompressen entspannen, kühlen und beugen Entzündungen vor.

5. Haut: Mit Seidenhandschuhen den Körper vor dem Duschen in Auf- und Abbewegungen, die Gelenke in kreisenden Bewegungen abreiben. Das aktiviert den Stoffwechsel unseres größten Körperorgans. Um die Haut widerstandsfähiger und geschmeidiger zu machen, gibt es aus dem Ayurveda verschiedene Massageöle, die wieder individuell der Vata-, Pitta- oder Kaphahaut entsprechen. Vatahaut braucht ein wärmendes und beruhigendes, die Pittahaut ein kühlendes, beruhigendes und die Kaphahaut ein wärmendes anregendes Massageöl. Ein reines biologisches Speiseöl wird von allen Typen immer gut vertragen und aufgenommen. Sie können sich ihr typgerechtes Massageöl mit heimischen Ölen und Aromen jederzeit selber herstellen.

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K L E I N E S   A Y U R V E D A - K O M P E N D I U M   ( III )

Agni - das Feuer des Lebens


Von Birgit Heyn

Mit "Agni" charakterisiert der Ayurveda alle Stoffwechselvorgänge im Körper. Der legendäre Ayurveda-Arzt Charaka sagt: "Agni ist verantwortlich für den ganzen Lebensprozess, für das Aussehen, die Hautfarbe, für die Stärke, Tatkraft, Energie, Gesundheit, für den Aufbau von Gewebe (Dhatu), Lebensessenz und Immunsystem (Ojas), die Körpertemperatur und für den Lebensatem."

Wenn Agni, das Verdauungsfeuer gestört wird, bildet sich "Ama" (unverdaut, halbverdaut, unreif). Es sammeln sich krankmachende Stoffe im Körper. Als Ursachen, die Agni schwächen und zur Ansammlung von Ama führen, werden genannt:

  • Ärger, Angst, Furcht, Wut, Stress, Trauer
  • unregelmäßiges, hastiges Essen ohne Aufmerksamkeit
  • einseitiges, unausgewogenes Essen
  • Fehlen der sechs Geschmacksnuancen (süß, sauer, salzig, scharf, bitter, herb)
  • zu viel Trinken
  • Schlafen am Tag
  • Überessen
  • Nahrung, gegen die man eine starke Abneigung empfindet
  • Ortswechsel
  • Jahreszeitenwechsel
  • Fasten
  • hormonelle Einflüsse

Vermehrtes Ama kann sich an folgenden Symptomen zeigen: fehlender Appetit, Mundgeruch, Zungen- und Zahnbelag, Verdauungsstörungen, vermehrte Schleimbildung, aufgeblähter Bauch, Druckempfindlichkeit, Gefühl von Schwere, Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Abstumpfen der Sinne.

Gewürze individuell richtig eingesetzt stärken Agni und damit unsere Gesundheit. Als besonderes Beispiel stellen wir heute die klassische Gewürzmischung aus dem Ayurveda, Tri-Katu, vor. Tri-Katu heißt "die drei Scharfen" und das sind Ingwer, langer Pfeffer und schwarzer Pfeffer - als Mischung zu gleichen Teilen.

Ingwer ( Zingiber officinalis ):
Verwendet wird der Wurzelstock in frischem oder getrocknetem Zustand. Eine dünne Scheibe frischen Ingwer mit wenig Salz und Zitronensaft 15 Minuten vor dem Essen regt Agni an. Ingwer als Tee: einen halben Teelöffel Ingwer frisch oder getrocknet mit einem halben Liter Wasser fünf Minuten köcheln und noch fünf Minuten ziehen lassen. Abseien, in kleinen Schlucken trinken.
Ingwer ist hilfreich bei:
- Übelkeit, Erbrechen, Reisekrankheit, Durchfall
- Erkältung, Grippe
- rheumatischen Beschwerden (auch äußerlich als Massageöl oder Kompressen)
- Menstruationsbeschwerden

Schwarzer Pfeffer ( Piper nigrum )
Verwendet werden die Früchte einer Kletterpflanze. Weißer, grüner und schwarzer Pfeffer stammt von derselben Pflanze. Für den Grünen Pfeffer werden die unreifen Früchte in Essig oder Salzlake eingelegt. Für den Weißen Pfeffer wird das reife Fruchtfleisch von den Beeren entfernt und der weiße Steinkern getrocknet. Schwarzer Pfeffer sind unreife, fermentierte, mit der Schale getrocknete Beeren. Roter Pfeffer stammt vom "Brasilianischen Pfefferbaum" (Schinus terebinthifolius), der mit der Pfefferpflanze nicht verwandt ist. Er sollte nur in geringer Menge verwendet werden, da er in größerer Menge giftig ist.
Pfeffer

  • regt Durchblutung, Spechelfluß und Appetit an, stimuliert
  • reinigt die Kanäle (Srotas) des Körpers
  • sein ätherisches Öl wird durch die Lungen abgesondert und verringert dadurch Beschwerden bei Rachenkatarrh und bei Verschleimung der Bronchien

Anwendung als Gewürz: frisch mahlen - erst am Ende des Kochens dazugeben oder im Ganzen mitkochen. Frischer Pfeffer auf dem Käse macht den Käse leichter verdaulich.

Langer Pfeffer ( Piper Longum ):
Er ist milder als der Schwarze Pfeffer.

  • wirkt anregend auf Verdauung und Atmungstrakt (tonisiert Rachen und Stimmbänder)
  • beseitigt Veschleimung, Kälte und Ama
  • anders als Schwarzer Pfeffer gilt Langer Pfeffer auch als Verjüngungsmittel besonders für Lunge und für Kapha
  • wird als Milchabkochung verwendet für die Heilung chronischer Lungenleiden wie zum Beispiel Asthma
  • Pipali stärkt die Funktionen des Genitalsystems und hat eine wärmende, energetisierende Wirkung auf die Geschlechtsorgane
  • nach der Geburt wird Langer Pfeffer zur besseren Kontraktion des Uterus dem Essen beigegeben

Anwendung als Gewürz: Frisch mahlen, passt geschmacklich beinahe zu allem. Am besten erst nach dem Kochen beigeben.

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K L E I N E S   A Y U R V E D A - K O M P E N D I U M   ( IV )

Wie schmeckt das Universum?


Von Birgit Heyn

Dravyaguna (Substanz und Qualität) wird im Ayurveda das umfassende System des Erkennens, Klassifizierens und des Wissens um die Wirkungsweise von Heilpflanzen, Arzneimitteln, Gewürzen, Nahrungsmitteln und Diät genannt. Dravyaguna entspricht ungefähr unserer Pharmakognosie, Pharmakologie und Diätetik.

Eine der Besonderheiten in diesem System ist das Erkennen der Pflanzen und ihrer Qualitäten auf Grund von "Rasa", dem Geschmack: süß, sauer, salzig, scharf, bitter und herb. Jede dieser Geschmacksnuancen wird von zwei der fünf Elemente - Äther, Luft, Feuer, Wasser oder Erde - bestimmt. Aus diesem Zusammenhang können die Wirkungen (Karma) abgelesen werden. Praktische Beispiele mögen dieses sehr verkürzt vorgestellte System erläutern. Heilpflanzen und Nahrungsmittel können aber oft mehrere Geschmacksnuancen vereinen. Auch gibt es Ausnahmen im System. Dies sind Heilpflanzen, die ihre Wirkung nicht im Geschmack zeigen - sie werden im Ayurveda mit ihrer Prabhava (speziellen Wirkung) beschrieben.

  • Süß (madhura) wird dominiert von den Elementen Erde und Wasser und zeigt die Qualitäten: schwer, kühl und ölig.
    Seine Wirkungen im richtigen Maß genossen werden folgendermaßen beschrieben: vermehrt Körpergewebe, steigert Lebenserwartung, schärft Sinne und stärkt Körperkraft, macht fröhlich, lebendig, zufrieden, mildert brennendes Gefühl.
    Seine Wirkungen im Übermaß: Lethargie, Fettleibigkeit, Appetitverlust, Atemstörungen, Erkältung, Verstopfung.
    Als süß gelten alle Getreidesorten, unser Hauptnahrungsmittel, wobei die Qualität "schwer" mit Bildung von Körpergewebe übersetzt werden kann. Auch Milch ist süß, kühl und schwer. Als ein Beispiel einer Heilpflanze kann die Eibisch-Wurzel genannt werden. Sie lindert "brennende Gefühle" wie z. B. Entzündungen der Schleimhäute.
  • Sauer (amla) wird dominiert von den Elementen Erde und Feuer und zeigt die Qualitäten heiß, leicht und ölig.
    Seine Wirkungen im richtigen Maß genossen: regt Agni an, baut Gewebe auf, fördert die Widerstandskraft, stärkt die Sinne, reguliert die Peristaltik und fördert den Speichelfluss.
    Seine Wirkung im Übermaß: Entzündungen, Hitzegefühl, Brennen, Durst, Übelkeit, Sehstörungen.
    Als sauer gelten alle vergorenen Lebensmittel. Mild sauer: Yoghurt, Essig oder stark sauer: alkoholische Getränke. Früchte sind meist süß, sauer und ein wenig herb. Viele Arzneizubereitungen werden in alkoholischen Auszügen dargereicht.
  • Salzig (lavana) wird dominiert von den Elementen Wasser und Feuer und zeigt die Qualitäten heiß, befeuchtend, schwer.
    Seine Wirkungen im richtigen Maß genossen: befeuchtend, appetitanregend, verdauungsfördernd, erweicht das Gewebe, bringt in Fluß (reinigt die Kanäle), verflüssigt Schleim.
    Seine Wirkung im Übermaß: Durst, verschlechtert Blut und Haut, Ergrauen und Ausfallen der Haare, Impotenz.
    Als salzig wird unser lebensnotwendiges Salz im Ayurveda beschrieben. Wobei verschiedenfarbige Salze erwähnt werden und damit das Wissen um Mineralstoffe impliziert war.
  • Scharf (katu) wird dominiert von den Elementen Feuer und Luft und zeigt die Qualitäten heiß, trocken, leicht.
    Seine Wirkungen im richtigen Maß genossen: regt das Vedauungsfeuer Agni an, ist reinigend, reduziert Fett, Schleim und Wasseransammlungen, ist schweißtreibend, durchblutungsfördernd, gefäßerweiternd.
    Seine Wirkung im Übermaß: Übelkeit, Durst, Brennen, Hitzegefühl, Schwindel, Impotenz, Verringerung der Körperkraft.
    Als scharf können viele Gewürze genannt werden von mild bis brennend scharf. Im Kompendium 3, Agni, habe ich "Tri-Katu" (Ingwer, Schwarzer und Langer Pfeffer) beschrieben. Bei den Gewürzen ist der Übergang zum Arzneimittel fließend, denken wir nur an Fenchel, Kümmel, Koriander oder Rosmarin.
  • Bitter (tikta) wird dominiert von den Elementen Luft und Äther und zeigt die Qualitäten: kalt, leicht, trocken.
    Seine Wirkungen im richtigen Maß genossen: appetitanregend, verdauungsfördernd, stillt Juckreiz und Entzündungen, wirkt fiebersenkend, festigt Haut und Gewebe, reduziert Giftstoffe und Feuchtigkeit.
    Im Übermaß: Auszehrung, Trockenheit, Nervenkrankheiten, Kräfteverlust.
    Als bitter in der Ernährung zählen unsere bitteren Salate. Bei den Heilpflanzen gibt es viele Bitterstoffdrogen (z.B. Löwenzahn, Wermut) die besonders bei Leber- und Gallenbeschwerden eingesetzt werden.
  • Herb (kashaya) wird dominiert von den Elementen Luft und Erde und zeigt die Qualitäten kühl, schwer, trocken.
    Seine Wirkung im richtigen Maß genossen: zusammenziehend, entzündungshemmend, aufsaugend, fördert die Heilung, blutstillend, beruhigt und verdichtet.
    Als herb gelten Gerbstoffe, die besonders im schwarzen Tee aber auch in vielen Gemüsesorten und Getreidesorten vorhanden sind. Als wichtige gerbstoffhaltige Heilpflanzen sind die Eichenrinde oder die Blutwurz zu nennen.

Diese wenigen Beispiele sind nur eine Anregung, sich mit dem guten Geschmack und mit Ayurveda noch intensiver zu beschäftigen. Ayurveda gibt viele Hinweise, wie wir beruhigend auf unser
Vata mit salzig, sauer und süß
Pitta mit bitter, herb und süß
Kapha mit scharf, bitter und herb
oder anregend auf unser
Vata mit scharf, bitter und herb
Pitta mit scharf, sauer und salzig
Kapha mit süß, sauer und salzig
einwirken können.

Eine ausgewogene ayurvedische Mahlzeit sollte möglichst alle sechs Geschmacksnuancen beinhalten. Bei einer Diät nach Ayurveda werden die Nahrungsmittel so zusammengestellt, dass die gestörten Doshas wieder in Einklang gebracht werden. Bei einer Vata-Störung beispielsweise regt man das Vedauungsfeuer mit salzigen und sauren Nahrungsmitteln an. Man reicht etwa eine Scheibe Ingwer mit einer Prise Salz. Als süße Komponente eignet sich ein warmer Getreidebrei mit etwas Ahornsirup. Weil jeder Mensch verschieden ist, ist jede Diät im Ayurveda immer individuell.

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K L E I N E S   A Y U R V E D A - K O M P E N D I U M   ( V )

Vata-Dosha - Erkennen und Verwöhnen


Von Birgit Heyn

Vata ist der Wind, die Bewegung in mir, die mir Leichtigkeit, Beweglichkeit, Ideenreichtum, Begeisterungsfähigkeit, Freiheit, Großzügigkeit, Fröhlichkeit und Kreativität verleiht. Vata regt die Psyche an, reguliert die Atmung und schafft Aktivität. Vata ist die Bewegung der Kreisläufe des Blutes, des Sauerstoffs, der Lymphe. Vata bewegt Nahrung, Nährstoffe durch den Körper und scheidet Abfallstoffe aus. Vata lässt das Herz schlagen.

Wenn die Qualitäten von Vata - beweglich, kalt, trocken, rau, leicht, klar und wechselhaft - verstärkt werden durch z.B. unregelmäßiges, kaltes Essen, viel Reisen, laute Geräusche, Lärm, Wind, Kälte, Schock, Operation oder in den Vata verstärkenden Zeiten wie Herbst und früher Winter, früher Morgen und Alter gerät Vata aus seiner Balance und kann u.a. folgende Symptome zeigen: trockene Haut und trockene Schleimhäute, Neigung zu Blähungen und Verstopfung, Unruhe, Ängstlichkeit, Schlafstörungen, Gliederschmerzen, Verspannungen und Krämpfe.

Wichtig ist es, Vata wieder zu harmonisieren, bevor sich eine Krankheit manifestiert. Gerade in diesem Vorfeld bietet der Ayurveda viele Möglichkeiten.

Ernährung:
Grundlegendes für Mahlzeiten bei erhöhten Vata

  • warm, befeuchtend, nahrhaft, beruhigend, erdig, ölig
  • mild gewürzt, leicht gesalzen und gesäuert, um die Verdauung anzuregen
  • 3-5 kleinere Mahlzeiten in regelmäßigen Zeiten, zwischen ihnen sollten mindestens zwei Stunden liegen (vor allem bei schwacher Verdauung darauf achten)
  • kein Überangebot bei einer einzelnen Mahlzeit, um keine Entscheidungsprobleme zu schaffen
  • Eintöpfe, Suppen, Aufläufe (oft ist einen Speise pro Mahlzeit genug)
  • gekocht, leicht verdaulich, mit ausreichend Fett
  • längeres Kochen bei offenem Deckel ist hilfreich, um überflüssige Luft aus der Speise zu entfernen, und wirkt damit beruhigend auf Vata
  • ruhige, entspannte Atmosphäre während der Mahlzeit, Ablenkungen vermeiden
  • kein Fast Food
  • das Auslassen von Mahlzeiten ist nicht gut, aber Überessen ist schlimmer
  • Exzesse meiden

Zu empfehlen ist ein nahrhaftes, warmes Frühstück, eine leichte Zwischenmahlzeit, Mittagessen zwischen 10 und 14 Uhr, evtl. eine kleine Nachmittagsjause, damit der Energiespiegel nicht abfällt, Abendmahlzeit, leichter als das Mittagessen und nicht zu spät.

Vata-Gewürzmischung:
Liebstöckel - regt das Verdauungsfeuer an
Fenchel - nimmt die Winde
Basilikum - entspannt
Zimt - wärmt
Bockshornkleesamen - hüllt ein
Lavendel - schafft den Ausgleich hin zur Ruhe

Vata-Kräutertee:
Malvenblüte, Eibischwurzel, Ringelblume, Anis, Kamille, Koriander; als Stärkungsmittel mit Rosinen süßen

Vata-Hautpflege:
Beruhigendes Gesichtswasser: Lindenblüte und Myrte regulieren die Feuchtigkeit der Haut, Lavendel und Palmarosa harmonisieren und wirken reizlindernd, Ylang-Ylang spendet sinnlichen Duft, Hamamelis verfeinert die Poren und klärt das Hautbild
Vata Gesichtscreme: enthält nährende Wirkstoffe, die die Haut geschmeidig machen, frühzeitiger Fältchenbildung vorbeugen und die Durchblutung sanft anregen (wichtige Inhaltsstoffe sind: Nachtkerzenöl, Borretschsamenöl, Gelbwurzel, Rose, Weihrauch)

Vata-Massageöl:
Für die tägliche Massage nach Ayurveda, das Massageöl im Wasserbad wärmen. Seine Bestandteile sind gut geeignet bei

  • trockener, fett- und feuchtigkeitsarmer Haut (Sesam-, Mandel- und Weizenkeimöl)
  • Ruhelosigkeit, Nervösität und Neigung zu Sorge (ätherischen Öle von Rose, Lavendel und Orange)
  • Vetiver hilft "den Boden wieder unter die Füße zu bekommen"
  • Johanniskrautöl und Muskatellersalbei bei Verspannungen, Bauch- und Rückenschmerzen


Vata-Badeöl mit Lavendel ist beruhigend. Achtung: nicht zu heiß baden da sonst die Austrocknung des Körpers zu stark ist.

Vata-Duftölmischung mit den ätherischen Ölen Lavendel, Rose, Muskatellersalbei, Weihrauch, Orange und Vetiver für die Duftlampe und um sich auch unterwegs sein passendes Massageöl oder Badeöl mischen zu können.

Vata benötigt Regelmäßigkeit, Wärme, Stabilität, Vertrauen und Ausdauer, um wieder in seine Balance zu finden.

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K L E I N E S   A Y U R V E D A - K O M P E N D I U M   ( VI )

Pitta-Dosha - Erkennen und Verwöhnen


Von Birgit Heyn

Pitta ist das Feuer in mir, das meinen Ideen von Vata eine Zielrichtung gibt, das mir Mut macht, meine Intelligenz, Konzentration und meinen Ehrgeiz weckt. Pitta wandelt alles im Körper und in der Psyche um. Pitta schafft Erkenntnis aus den Sinneseindrücken, die Vata aufgenommen hat. Pitta ist das Stoffwechselfeuer. Pitta färbt das Blut rot. Pitta regelt die Körpertemperatur. Pitta ermöglicht sehen. Pitta bestimmt Farbe und Glanz unserer Haut, unserer Ausstrahlung.

Wenn die Qualitäten von Pitta - heiß, ölig, scharf, farbig, riechend, hell und beweglich - verstärkt werden durch z.B. zu scharfes, saures, salziges oder durch zu heißes Essen, Kaffee, Alkohol, ständigen Arbeitsstress, Arbeitskampf, sich überfordern, zu viel Hitze und Sonneneinstrahlung oder in den Pitta verstärkenden Zeiten wie Sommer, Mittag, Mitternacht und die Mitte des Lebens, gerät Pitta aus seiner Balance und kann u.a. folgende Symptome zeigen: Sodbrennen, Magenverstimmung, Gelüste und Süchte, Hitzegefühle, Hautrötungen, Ekzeme, Allergien, Entzündungen, Leber- und Blutkrankheiten, Feindseligkeit und Wut.

Um Pitta zu harmonisieren ist es hilfreich, in der Ernährung, Körperpflege und täglichen Routine ayurvedische Maßnahmen zu beachten.

Ernährung:
Grundlegendes für Mahlzeiten bei erhöhten Pitta

  • kühl, eher trocken und von ausreichender Menge (von Pitta geprägte Menschen verspüren oft vehementen Appetit bis Hunger, den sie regelmäßig stillen sollten. Lassen sie diese Bedürfnisse außer Acht, kann es zur Reizbarkeit und Magenproblemen kommen.)
  • gering gesalzen und mild gewürzt
  • nicht zu spät in der Nacht essen
  • den hohen Bedarf an Eiweiß decken, besonders bei körperlicher Betätigung
  • zu üppiges und zu fettes Essen meiden - das dem Pitta fürs erste wegen seiner starken Verdauung keine Probleme macht

Zu empfehlen sind drei Mahlzeiten täglich zu regelmäßigen Zeiten mit drei bis vier Stunden Abstand. Müsli und Rohkostsalate werden gut vertragen.

Pitta-Gewürzmischung:
Koriandersamen - entbläht, beruhigt den Darm, hilft zu verdauen, ohne das Agni anzuregen
Kardamom - gut gegen Sodbrennen
Kreuzkümmel - entkrampft
Nelke - verdauungsanregend
Orangenschale - frisch und kühl
Salbei - gut gegen Entzündungen

Pitta-Kräutertee:
Rose, Melisse, Kornblume, Lemongras, Himbeerblätter, Heidelbeere; zur Unterstützung der Leber kann mit Birnendicksaft gesüßt werden

Pitta-Hautpflege:
Beruhigendes Gesichtswasser: Lindenblüte und Myrte regulieren die Feuchtigkeit der Haut, Lavendel und Palmarosa harmonisieren und wirken reizlindernd, Ylang-Ylang spendet sinnlichen Duft, Hamamelis verfeinert die Poren und klärt das Hautbild. Damit die sensible Pitta-Haut im Gleichgewicht bleibt, benötigt sie besonders ausgewogene und reizfreie Substanzen. Bei Neigung zu Akne und Irritationen wirken die ausgewählten Inhaltsstoffe mild entzündungshemmend ohne auszutrocknen, ohne die Durchblutung zu stark anzuregen.
Pitta-Gesichtscreme: ist besonders sanft, beruhigend mit reizlindernden und entzündungshemmenden Wirkstoffen (u.a. Kamelien- und Schwarzkümmelöl, Aloe Vera Gel, Gelbwurzel, Heilerde, Schafgarbe, Rose)

Pitta-Massageöl:
Für die tägliche Massage nach Ayurveda, das Massageöl für Pitta nur leicht im Wasserbad erwärmen. Seine Bestandteile (Kokosöl kühlt, Olivenöl beruhigt, Calendulaöl lindert Entzündungen, Sandelholz, Geranie, Neroli und Zypresse beruhigen die Haut und das Nervensystem) sind gut geeignet

  • für empfindliche Haut, die zu Rötungen und Irritationen neigt
  • zur Pflege der Haut nach Sport und Sauna
  • zur Kalmierung eines "Workaholics" nach einem anstrengenden Arbeitstag (z.B. als entspannende Fußmassage)
  • als ausgleichende Pflege bei Hitzewallungen in den Wechseljahren
  • bei Neigung zu vermehrter Schweißbildung

Pitta-Badeöl mit Eukalyptus ist gut bei unreiner Haut, Fieber und Entzündungen.

Pitta-Duftölmischung mit den ätherischen Ölen: Sandelholz, Zypresse, Orange, Geranium und Majoran für die Duftlampe und um sich auch unterwegs sein passendes Massageöl oder Badeöl mischen zu können.

Pitta braucht Kühle und Gelassenheit, sein übermäßiger Ehrgeiz Mäßigung, Wut und Zorn kühlen in der Liebe und im Verständnis ab.

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K L E I N E S A Y U R V E D A - K O M P E N D I U M ( VII )

Kapha-Dosha - Erkennen und Verwöhnen


Von Birgit Heyn

Kapha ist das Feste und Flüssige in mir, das mir Struktur und Festigkeit und weiter Schutz, Zufriedenheit, Erdverbundenheit, Geduld, Standfestigkeit, Unterstützung und Zärtlichkeit verleiht. Kapha besteht aus Wasser und Erde, den formgebenden Materialien. Kapha strukturiert die Zelle, den Skelettaufbau, schafft die Form. Kapha ist die Feuchtigkeit und die Schmierung in unserem Körper. Kapha überzieht als Schutzschicht unsere Schleimhäute, als Gelenkflüssigkeit schützt es unsere Knochenverbindungen. Kapha schütz als Flüssigkeit Gehirn und Nerven. Kapha ist Speichel und ermöglicht die Wahrnehmung des Geschmacks auf der Zunge. Kapha ist verantwortlich für Schlaf und Langzeitgedächtnis. Kapha gibt uns Stärke und Widerstandskraft und ein stabiles Immunsystem. Kapha hält Vata und Pitta in seinen natürlichen Grenzen.

Wenn die Qualitäten von Kapha: kühl, schwer, feucht, stabil, strukturiert, schleimig und träge verstärkt werden durch z.B. zu kaltes, zu schweres, zu reichhaltiges Essen, zu geringe Anforderungen, fehlende körperliche Betätigung, Routine und Regelmäßigkeit oder in den Kapha verstärkenden Zeiten wie später Winter und Frühjahr, die Zeit nach Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang und die Jugendzeit, kann Kapha aus seiner Balance geraten und u.a. folgende Symptome zeigen:
Völlegefühl, Übelkeit, Verschleimung, Rückenschmerzen, Herzschmerzen, Lethargie, Steifheit, Fettsucht, Magersucht, Nahrungsmittelallergie, Gelenkschmerzen, Schwellung, Steifheit, Abstumpfung der sinnlichen Wahrnehmung.

Um Kapha zu harmonisieren gibt es im Ayurveda verschiedene Anregungen.

Ernährung:
Grundlegendes für Mahlzeiten bei erhöhtem Kapha

  • leichte, trockene und ballaststoffreiche Lebensmittel auswählen
  • salz- und fettarm zubereiten
  • ausreichend, auch scharfe Gewürze verwenden
  • einmal in der Woche fasten oder hin und wieder eine Mahlzeit ausfallen lassen
  • nach der Mahlzeit Bewegung statt Verdauungsschlaf
  • kein üppiges Frühstück, eventuell durch Tee oder Saft ersetzen
  • nach 18.00 Uhr möglichst wenig essen und trinken

Zu empfehlen sind zwei Mahlzeiten täglich, am besten zu Mittag und am frühen Abend. Auf Zwischenmahlzeiten verzichten.

Kapha-Gewürzmischung:
Lorbeer - regt das Verdauungsfeuer an
Ingwer - erwärmt und trocknet
Anis - löst
Muskat - fördert geistige Beweglichkeit
Rosmarin - anregend
Thymian - wärmt und säubert
Wacholder - bringt in Fluss

Kapha-Kräutertee: Ingwer, Rosmarin, Quendel, Fenchel, Hagebutte, Rittersporn, Brombeerblätter; zum Süßen Zimt- oder Ingwer-Honig verwenden.

Kapha-Hautpflege:
Anregendes Gesichtswasser: fördert die Durchblutung, reduziert die Talgproduktion, lässt den Teint gesund und frisch aussehen. Es wirkt mild desinfizierend gegen Unreinheiten und Pickel.
Spitzwegerich und Pfefferminze sind adstringierend, entschlackend und durchblutungsfördernd. Schachtelhalm festigt das Bindegewebe und regt den Stoffwechsel der Haut an. Mandarine, Lemongras und Grapefruit beleben und fördern den Reinigungsprozess.
Kapha-Gesichtscreme: Damit die Kapha-Haut gesund und strahlend aussieht, braucht sie anregende Wirkstoffe, die die Durchblutung fördern und die Entschlackung in Gang setzen. Die Kräuterextrakte von Thymian, Pfefferminze, Lindenblüte Schafgarbe und Salbei wirken klärend und mild desinfizierend, sie fördern die Entschlackung der Haut. Schachtelhalm und Hamamelis festigen das Gewebe und Verkleinern die Poren. Die ätherischen Öle Rosmarin, Rosenholz, Lemongras und Basilikum regen die Durchblutung und den Stoffwechsel der Haut an.

Kapha-Massageöl:
Für die tägliche Massage nach Ayurveda, das Massageöl für Kapha gut im Wasserbad erwärmen.
Seine Inhaltsstoffe (u.a. Rosenholz, Zitrone, Ingwer, Zypresse und Sesamöl) sind gut

  • für blasse, schlecht durchblutete Haut
  • zur sanften Anregung der Zirkulation und Entschlackung
  • bei Verspannungen, Muskelkater, Muskelschmerzen
  • bei Verkühlung und Verschleimung zur Beruhigung der Atemwege (Brust und Rücken damit einölen)
  • bei kalten Händen und Füßen nehmen sie ein Fußbad mit Kapha-Massageöl und schließen eine Fußmassage an


Kapha-Badeöl mit Rosmarin regt den Stoffwechsel und Kreislauf an. Besonders gut für ein Bad am Morgen.

Kapha-Duftölmischung mit den ätherischen Ölen: Bergamotte, Zitrone, Rosenholz, Ingwer und Rosmarin für die Duftlampe und um sich auch unterwegs sein passendes Massageöl oder Badeöl mischen zu können.

Kapha braucht Anregung, eine Herausforderung, Wärme und strahlende Farbe, um in Schwung zu kommen und Vata - die Bewegung - und Pitta - das Feuer - nicht zu unterdrücken, sondern das harmonische Zusammenspiel aller drei Doshas zuzulassen.

© Birgit Heyn

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